Laufbericht: 24-Stunden Lauf in Breitscheid
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Eik Bergmann läuft 115 km Sind wir nicht alle ein bisschen Ultra? Lesen Sie hier seinen Erfahrungsbericht als Ultraläufer. Es hat mir Spaß gemacht. Es tat weniger weh als ein auf Bestzeit gelaufener Marathon. Das Rundenlaufen ging mir nicht auf den Keks, sondern gab mir Sicherheit auf der langen Strecke. 15./16.07.2011 |
Wie nennt man in Ultra-Läufer-Kreisen einen 100-km-Lauf? Bambinilauf! Diese und andere erstaunliche Erkenntnisse erwarb ich bei meiner Teilnahme am Breitscheider 24-Stunden-Lauf am 15./16.7.2011. |
Bereits auf der Zeltwiese konnte man einen kleinen Einblick in die Ultra-Szene gewinnen. Fassungslos beobachtete ich, wie ein Starter während des Zeltaufbaus eine filterlose Zigarette nach der anderen rauchte. Nach dem Startschuss sollten 24 Stunden zur Verfügung stehen, weitere Teilnehmer kennenzulernen. |
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Eik mit Günter Müller Foto:©Siegfried Bullig Doch zunächst hatte ich Begleitung von Adam K. und Christoph E. aus unserem Marathonteam, die ebenfalls einen Ultra-Versuch starteten. Später eskortierten mich Günter M. und Alexander B.. Sie unterhielten mich mit ihren Erlebnissen aus der jüngeren deutschen Geschichte und aus ihrem Läuferleben. Es läuft ja nicht jeder alle Tage mit Joey Kelly. Und schon waren 35 km abgerissen – Zeit für einen Teller Nudeln und ein alkoholfreies Weizenbier.![]() Danach lief ich eine Runde mit jemandem, der auch ein Joey-Kelly-Erlebnis hatte. Er hatte sich im Ziel eines Marathons unter dem Einfluss der Endorphine spontan Joey geschnappt, ihn umarmt und sich glücklich mit ihm ablichten lassen. Nur Joey soll auf den Bildern nicht so richtig beglückt aussehen. |
| Christoph Escher Foto:©Siegfried Bullig |
Nach 22 Uhr wurde es auf der Strecke schlagartig leer, im Start-/Zielbereich dafür umso voller. Dort entstand bei so manchem Bier Party-Atmosphäre. Davon unbeirrt lief ich noch zwei einsame Runden in die Nacht. Nur der riesige, tiefstehende, goldgelbe Vollmond war mein Begleiter. Dabei durchbrach ich den toten Punkt und es kam der Gedanke auf, die Kühle der Nacht für weitere Runden zu nutzen. Allerdings musste ich bereits einige Ausfallerscheinungen an mir beobachten. Ich begann die Knöpfe meiner Laufuhr zu verwechseln bzw. vergaß, sie überhaupt zu drücken und machte damit die bisherige Zeitmessung wertlos. Es siegte letztlich die Vernunft, denn ich hatte mir vorgenommen, mich nicht durch Schlafentzug zusätzlich zu schwächen. Mein Mindest-Ziel von 100 km war – zumindest rechnerisch – auch mit ein paar Stunden Schlaf zu erreichen. |
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Und was war das für ein Genuss, nach einer ausgiebigen Dusche plötzlich liegen zu können! Laute des Wohlbehagens ausstoßend, räkelte ich mich um 1 Uhr auf meiner alten Iso-Matte und habe so möglicherweise andere Athleten aus ihrem wohlverdienten Schlaf gerissen. Einer der Walker schlief aber noch gar nicht. Er saß biertrinkend vor seinem Zelt, wo sich bis zum nächsten Morgen eine erkleckliche Zahl leerer Flaschen ansammelte. Trotzdem ging er am zweiten Tag weiter und schaffte so 80 km. Tiefer Schlaf sollte sich bei mir nicht einstellen. Die Matte war hart, der Körper voller Adrenalin und die Beine schmerzten. Endlich eingedöst, riss mich um 2:30 Uhr ein lautes Knurren aus den wirren Träumen. Doch das Geräusch wurde nicht von einem wilden Tier verursacht, das die allerletzten Fettreserven von meinen Knochen nagen wollte, sondern von meinem Magen. Ich hatte Hunger! Dankbar aß ich zwei der Brötchen, die meine Frau mir mitgegeben hatte. Dabei hatte ich diesen Service zuhause noch milde belächelt. "Bei der Veranstaltung gibt es doch Verpflegung für die Ultras!", dachte ich, mich im Geiste schon heimlich zu dieser speziellen Klasse der Extremsportler zählend. Doch das aus Äpfeln, Bananen, Salzstangen, Schokolade, Schaumküssen und Aldi-Hanuta bestehende Speisenangebot wurde nicht als Zimmerservice bis ins persönliche Sauerstoffzelt geliefert. Das noch verbliebene Brötchen nahm ich gegen 7 Uhr als Frühstück zu mir, bevor ich mich wieder auf die Strecke begab. |
Die erste Runde des neuen Tages war fürchterlich. Die Beine mussten sich wohl erst wieder langsam an den Schmerz gewöhnen. Auf Runde Zwei traf ich auf einen Läufer, der am Vortag 70 km abgeleistet hatte und die restlichen 55 km zu seinem persönlichen Ziel gehend hinter sich brachte. Da sich ein sehr intensives Gespräch entwickelte, ging ich die ganze Runde mit ihm. Überhaupt zählten die Begegnungen und Gespräche, die sich unterwegs ergaben, der Zuspruch, den ich erhielt und die Unterstützung, die ich erfahren durfte, zu den Bereicherungen, die mir dieser Lauf gebracht hat. Daran hatte unser Marathonteam nicht unerheblichen Anteil. Irgendwann fing ich an, die "Du siehst gut aus"-Sprüche zu glauben und hatte meine Freude an Kommentaren wie: "Nicht mal Schweiß auf der Stirn!", "Die Frisur sitzt.", "Es ist egal, wie weit du läufst, Hauptsache du fühlst dich heute Abend wie der König.", "Heute Abend machen wir mal 'nen Ruhigen." |
Eik und Klaus Lenzen |
| Foto:©Siegfried Bullig |
Insgesamt war ich nur sechs Runden allein auf der Strecke. Schon bald konnte ich mit Klaus L.ein paar Runden drehen, wenn ich nicht gerade auf ihn warten musste, weil er beim Laufen nicht gleichzeitig simsen kann. Er kannte viele der Läufer und hatte zu fast allen eine kleine Anekdote parat. Auch Angela J. munterte mich unterwegs auf, bis meine Familie eintraf. Mein Sohn lief drei Runden mit mir, während meine Tochter auf dem Fahrrad unterwegs war.Und ohne die Unterstützung meiner Frau, die sämtliche familiäre Verpflichtungen an diesem Wochenende von mir fernhielt, wäre ein Start völlig unmöglich gewesen. Trotzdem fand auch sie noch die Zeit, zwei Runden für den guten Zweck zu laufen. |
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Auch zur Weltmeisterin Cornelia Bullig ergab sich ein kurzer Kontakt. Sie hielt mich für einengestandenen Ultra, und ich musste mich als Novize zu erkennen geben. Später traf ich auf die führende Frau, die 140 km absolvierte und nur eine Stunde geschlafen hatte. Wie andere, die sich nur wenig Schlaf gegönnt hatten, klagte auch sie unterwegs mehrfach darüber, wie fertig sie sei. Ausreichender Schlaf macht es demnach mental einfacher. Aber die nachts nicht gelaufenen Kilometer sind am nächsten Tag nicht mehr aufzuholen. Adam K., der am Morgen wegen Achillessehnenbeschwerden nach 40 km abbrechen musste,war nachmittags wieder auf der Strecke unterwegs. Seine Startnummer hatte er am Kinderwagen befestigt und ging so noch ein paar Runden mit Frau und Kind "spazieren". Und noch ein weiteres Kind war als Ultra auf der Strecke. Es musste aber schon selbst laufen, und zwar 100 km! Es ist schon erstaunlich, wozu der Ehrgeiz des Vaters einen 13-Jährigen antreiben kann. |
Später traf ich noch auf Andreas P. und Birgit R.. Birgit wollte die erste ihrer Runden walken. Deshalb liefen wir nicht gemeinsam, denn ich hatte mir vorgenommen, die gesamte Strecke zu laufen. Von der o.g. morgendlichen Gehrunde abgesehen, gelang mir das bis km 100. Auf den letzten drei Runden benötigte ich dann einige Gehpausen, so dass am Ende etwa fünf Minuten fehlten, um noch eine 24. Runde anhängen zu können. Doch auch mit 115 km konnte ich mir einen Platz in der Hall-of-Fame sichern. |
| 24 Stunden Lauf Breitscheid 2011
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Fotos: ©Klaus Lenzen
Fotos:©Siegfried Bullig zur Homepage hier..
Artikelgestaltung Petra Schiefer
Kranz oben Fotolia.com


























































































































Doch zunächst hatte ich Begleitung von Adam K. und Christoph E. aus unserem Marathonteam, die ebenfalls einen Ultra-Versuch starteten. Später eskortierten mich Günter M. und Alexander B.. Sie unterhielten mich mit ihren Erlebnissen aus der jüngeren deutschen Geschichte und aus ihrem Läuferleben. Es läuft ja nicht jeder alle Tage mit Joey Kelly. Und schon waren 35 km abgerissen – Zeit für einen Teller Nudeln und ein alkoholfreies Weizenbier.

Eik und Klaus Lenzen




