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Start Laufberichte Laufberichte: Korsika 2010
_Sven_Knie_-_Fotolia.com_Fotolia_9020973_XS1_Kopie Machia di Costa Verde
Laufen wie Gott in Frankreich
Laufspaß kann mehr sein, als zweimal im Jahr bei einem Marathon vergeblich seiner Bestzeit hinterherzulaufen. Der erster Berglauf war für Eik Bergmann eine außergewöhnliche Erfahrung.
Mit Youtube Video


Im letzten Herbst hatte ich während eines Korsika-Urlaubs festgestellt, dass unweit unseres Urlaubsortes der Berglauf „Machja di Costa Verde" über 19 km und 1500 Höhenmeter (im Anstieg) stattfand.
Damals wollte ich spontan teilnehmen, entschied mich aber nach zwei schlaflosen Nächten dagegen, weil ich erst zwei Wochen vorher den Köln-Marathon gelaufen war. Stattdessen verschob ich meine Teilnahme auf dieses Jahr. Wie gut diese Entscheidung war, kann ich nun im Nachhinein erst richtig ermessen!


Der Morgen begann etwas hektisch, da ich dorthin fuhr, wo im letzten Jahr Start und Ziel gewesen waren. Damals war die Strecke aber wegen schlechten Wetters auf 16 km verkürzt und entsprechend geändert worden. Somit befand ich mich eine Stunde vor dem Start in einem gähnend leeren, einsamen Bergdorf. Nach einer risikoreichen Fahrt über eine sehr schmale, kurvenreiche Bergstraße erreichte ich rechtzeitig
das richtige Dörfchen, dessen zwei Gassen von den Autos der ca. 150 Teilnehmer bereits zugeparkt waren. Irgendwo wähnte ich noch ein freies Plätzchen, das sich im Nachhinein als schlechte Wahl erweisen sollte. Mein dort abgestellter Mietwagen wurde während des Laufs verschrammt.

Die Einschreibung hatte ich vorab per Internet erledigt. Somit musste
ich nur noch das vorgeschriebene ärztliche Attest für die Teilnahme an
Berglaufwettkämpfen vorlegen, um eine Startnummer zu bekommen.

_OD_-_Fotolia.comFotolia_16830680_XS

Als Berglaufnovize hatte ich mir vorgenommen, mich etwa in der Mitte
des Starterfeldes zu platzieren, nachdem am Sonntag zuvor ein
Probelauf auf Segmenten der bereits markierten Wettkampfstrecke eine
Zielzeit von etwa 3 h realistisch erscheinen ließ. Diese Zeit lag etwa
im Mittelfeld älterer Ergebnislisten des bereits sieben Mal zuvor
ausgetragenen Laufes. Leider habe ich dann den richtigen Moment zur
Startaufstellung verpasst und befand mich eher im letzten Drittel der
Traube. Das sollte sich bereits Minuten nach dem Startschuss als
problematisch erweisen.

Denn kaum war der Startbereich, die Dorfstrasse, verlassen, gab es auf den schmalen Bergpfaden nur selten Gelegenheit zum Überholen, und selbst diese meist nur mit waghalsigen Manövern abseits der Piste. Nachdem es die ersten Kilometer nur abwärts ging, war irgendwann an dem folgenden ununterbrochenen Anstieg
über 900 der insgesamt 1500 Höhenmeter eine Gruppe mit ähnlichem
Leistungsvermögen gefunden.


Und das bedeutete, dass an den steilen Bergauf-Passagen gegangen wurde, wobei die Armkraft durch Abdrücken der Hände auf den Oberschenkeln teilweise mitbenutzt wurde.
Dennoch lag dabei mein Puls jenseits der 90%-Marke. Am schlimmsten waren für
mich hierbei die Schmerzen im unteren Rücken, die sich vermutlich wegen der stark nach vorn gebeugten Haltung des Oberkörpers einstellten. Die Strecke war aber nicht nur wegen ihres Profils recht abenteuerlich. Im Gipfelbereich musste sogar unter Zuhilfenahme der Hände auf einer seilversicherten Passage im I. Grad geklettert werden.
Es ging durch Matsch, Geröll, Bäche, Kuh- und Schweine-Exkremente, Farn und Gesträuch sowie über trockenen und nassen Fels. Einmal war ein Bach auf einem Baumstamm zu überqueren.

_INKnoberry_-_Fotolia.comFotolia_14612013_XS


Nicht umsonst heißt der Lauf frei übersetzt „Durchs Gestrüpp der Grünen Küste". Gemessen an der Anzahl der Starter und der abgeschiedenen Lage der Strecke waren erstaunlich viele Zuschauer und Posten an der Strecke. Deren Unterstützung reichte von Klatschen über Rufe wie „Bravo!" und „Courage, Monsieur, Courage!" bis zum handfesten, international verständlichen Schulterklopfen.
Nachdem ich bergauf doch eine Menge Läufer überholen konnte, musste ich bergab wieder viele ziehen lassen, weil ich mich einfach nicht getraut habe, so schnell die
halsbrecherische Piste hinabzudonnern. Ungezählt blieben letztlich meine zahlreichen Beinahe-Stürze. Das Bergablaufen scheint die eigentliche Berglaufherausforderung zu sein und muss geübt sein.

Mein Trainingsgelände im Aaper Wald entsprach da wohl nicht ganz den
Wettkampfbedingungen. Nichtsdestotrotz wurde ich 13. der 50 Starter in
der Kategorie „Veteranen 1" (39 - 49 Jahre) und 48. im Gesamteinlauf.
Ich kam nach 2:30 h:mm ins Ziel - wie üblich etwa zeitgleich mit der dritten Frau.

 
Dort wurden zunächst Feigen, Orangen, Erdnüsse, Rosinen und Nuss-Schokolade gereicht. Später gab es ein kaltes Mittagsbuffet für alle Teilnehmer und Gäste mit Brötchen, Wurst, Pizza, Cous-Cous, Esskastaniensalat, diversen Nudelsalaten, Joghurt, Soft-Drinks und Wein.
Das alles war neben einem Finisher-Funktions-Shirt und einer Korsika-Kappe in der Startgebühr von 20 Euro inbegriffen.

Laufen wie Gott in Frankreich!
 
Hier noch ein eindrucksvolles Video aus dem Vorjahr
..
 
Eik Bergmann

Mehr zu diesem Lauf im Internet >>hier...

Eik_Bergmann



 
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Artikel  Rheinische Post
vom 19.05.2011

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